Die Nacht in Santiago
Mit den Pimentos de Padron wurde es gestern Abend nichts mehr. Die Gaststätten öffnen die Küche erst wieder nach 19.00 Uhr. Ok. Dann bin ich zur Kathedrale und wollte sie mir einfach ansehen.
Um 19.30 begann die späte Pilgermesse. Natürlich waren alle Plätze besetzt und ich bin stehengeblieben. Bis zur Predigt. Dann habe ich mir an der Seite eine Säule gesucht, wo ich mich halbwegs setzen konnte. So mit dem halben Hintern.
Ich blieb so lange, weil ich die Hoffnung hatte, dass sie das große Weihrauchfass schwenken. Haben sie aber nicht.
Beim Aufstehen wurde mir sofort schwindelig, schlecht und abwechselnd heiß und kalt. So konnte ich nicht zurück zum Hotel. Ich habe mich bis zum Sicherheitsdienst geschleppt. Die haben sich um mich gekümmert.
Sie haben einen Rettungswagen angefordert. Der hat mich mit ins Krankenhaus genommen.

Zum Glück habe ich eine Tochter, die perfekt Spanisch spricht. Sie war mein Dolmetscher mit dem Arzt und den Schwestern. Einiges konnte ich ja allein sagen. Aber eben nur so einfache Dinge wie Telefonnummer, Alter, Herkunft…
Nicht alle Schwestern konnten Englisch. Aber ich habe ja noch Hände und Füße zur Verständigung.
Zweimal Blutabnehmen, zweimal röntgen, 4 Stunden am Monitor und eine Infusion gegen die Übelkeit. Alles sehr professionell.
Im spanischen Krankenhaus liegt man erst einmal in verschiedenen Abteilungen. Notaufnahme, dann Überwachung. Die Betten sind durch Vorhänge abgetrennt. Die Schwestern haben ganze Arbeit geleistet.
Und dann ist es so, dass die Familienangehörigen bei den Patienten bleiben. Und erzählen. Richtig ruhig wird es da nie.
Nach all den Tests kam ein deutschsprechender Arzt, um mir die Entlassung zu erklären.
Kein Herzinfarkt. Alles sei im grünen Bereich. Ich soll viel trinken und mich nicht anstrengen.
Ich hatte weder einen Ausweis, geschweige denn meine Versicherungskarte dabei. Ich habe den Arzt gefragt, wie das mit der Abrechnung sei. Er sagte mir, dass das in Spanien kein Problem wäre. Na da bin ich ja noch gespannt, was die Krankenkasse daraus macht.
Mir wurde ein Taxi gerufen, dass mich zurück zum Hotel brachte.
Erst einmal habe ich das „Bitte nicht stören“-Schild draußen an die Tür gehangen.
Meine Stadtbesichtigung wird sich heute auf den Weg zur Apotheke beschränken.
