Foncebadón – Molinaseca
Zunächst erst einmal wieder eine Aufgabe für Statistiker: Wenn jedes Jahr über 500.000 Pilger in Santiago de Compostela ankommen, und jeder Pilger etwa 3 – 4 Wochen auf dem Weg ist, und dabei in 21 bis 28 Herbergen übernachtet, wie wahrscheinlich ist es, dass er sich Bettwanzen einfängt? Ich nehme mal an, je länger die Reise dauert, desto höher die Wahrschinlichkeit.
Der Vorteil von alten Männern ist, dass sie nachts mal auf Toilette müssen. Und ich auch. So gegen 2.00 in der Frühe. Und was sehe ich da die Wand an meinem Kopfende langschleichen? Na so ein klitzekleines, sehr flaches Tierchen. Aber mit Panzerband habe ich es gefangen.

Nachdem Fund war es mit der Nachtruhe vorbei. Erst mal alle Sachen in die Packbeutel eingepackt. Vorher jedes Teil umgedreht und ausgeschüttelt. Ich hoffe das hat gereicht. Muss ich weiter beobachten.

Diese Etappe war die bisher schlimmste Etappe auf dem Camino. Zunächst ging es wieder ein Stückchen bergauf zum Cruze de Ferro, dem eisernen Kreuz. Das steht bei ca. 1.479 müN. Hier legen Pilger von zu Hause mitgebrachte Steine ab. Jeder hat dabei seine eigene Idee weshalb und wofür.


Dann begann der Abstieg. Der Weg ist eine einzige Katastrophe. Die Kniee freuen sich ungemein. Die Spur ist schmal, ausgewaschen und steil. Bei der nächstbesten Gelegenheit bin ich auf die Straße ausgewichen. Zum Glück fahren da nicht so viele Autos.



Von 1.513 müN runter auf 598 müN. Das sind über 900 Meter abwärts.
Heute habe ich meinem Namen als „Snail On The Trail“ alle Ehre gemacht. Ich hatte die Schnauze sowas von voll. Aber ich musste ja weiter bis nach Molinaseca. Zum Glück bin ich nicht nach Panferada.gegangen. Das hätte ich ohne Nothelfer nicht geschafft. Und es war über 20 Grad warm. Perfekt zum Schwitzen.
Nach 10 km kam endlich der Ort Acebo. Die erste Bar und zwei Stück Kuchen, ein Ccl und eine Cola waren meins. Der selbstgebackene Kuchen (Zitronen- und Möhrenkuchen) waren der Oberhammer. Die Cola ist noch vor der Ankunft im Magen verdunstet.

Im Schatten habe ich eine dreiviertel Stunde Pause gemacht. Aber es waren ja noch 12 km bis zum Ziel.

Und wieder ab auf die Schotterstrecke. Liebe Leute, wenn ihr eure Gelenke schonen wollt, dann bestellt ein Taxi am Cruze de Ferro.
Unterwegs gab es noch ein paar Kleinigkeiten am Weg zu entdecken. Hier ist die Baumblüte noch nicht so weit durch, wie am Anfang des Weges. Komisch.



Die in den nächsten Orten angekündigten Bars waren zu. Also fielen die Pausen aus.
Früher standen hier große Kastanienbäume. Nun sind nur noch ein paar Baumleichen zu sehen.

So habe ich mich langsam den Weg herunter geschlichen. Und immer schön aufgepasst, dass ich nicht hinklatsche. Ne, so einen Weg brauche ich nicht jeden Tag. Aber jetzt bin ich ja erst mal unten.

An der Unterkunft angekommen stand auf dem Schild:“ Cerado“. Geschlossen? Wie kann das sein? Ich habe doch eine Reservierung. Ein kurzes Telefonat später wusste ich, dass der Schlüssel im offenen Briefkasten liegt.
Mein Zimmerchen ist im 1. Stock. Ich habe mich die steile Treppe lang hochgequält. Duschen, trinken, abmatten. Mehr war erst mal nicht drin.
Ich musste aber noch mal die Treppe runter. Ich brauchte neue Lebensmittel. Als ich unten stand, merkte ich, dass ich kein Taschentuch eingesteckt hatte. Als noch mal hoch und wieder runter. So, für heute reicht es aber endgültig.


