Ledigos – Sahagún
Es war kühl am Morgen. 4 Grad warm oder kalt. Je nach dem, wie man es nimmt. Und es war eine kurze und flache Etappe. Nur 16 Kilometer lang.

Da die Herberge in er ich übernachtet hatte am Montag geschlossen ist, gab es auch kein Frühstück. Aber es gab ja noch eine zweite Herberge im Ort. „La Morena“. Obwohl ich wieder erst kurz vor 8.00 Uhr ankam, waren viele Pilger zum Frühstück eingekehrt.
Danach wartete der Weg auf mich und alle anderen Pilger. Der Tross zog sich schnell auseinander. Ungestört konnte ich so vor mich hin sinnieren.
In Moratinos habe ich ein zweites kleines Frühstück verschnabuliert. Der Weg ging an der N 120 und der Autobahn entlang. Einmal ging eine Brücke darüber. Sonst war der Weg soweit weg, dass der Verkehrslärm nicht störte.


Aus der Ferne konnte ich schon die Stadt Sahagún sehen.
Und da passierte es. Weil es windig war, setzte ich meine Kapuze immer wieder auf und ab. Plötzlich war mein linker Ohrhörer weg. Ach du Scheiße. Wann hatte ich denn den verloren? Eigentlich geht ja der Pilger nicht zurück. Das Teil war dann doch zu teuer, um es einfach liegen zu lassen. Erst hatte ich gedacht, dass es in die Jacke gerutscht war. Beim Öffnen des Reißverschlusses fiel nichts raus. So, Rückwärtsgang einlegen und retour. Doch welch eine Überraschung. Schon keine 5 Meter zurück lag das Teil auf dem Weg. Puh. Noch mal Glück gehabt.


Im Hostel wurde noch fleißig geputzt. So habe ich die Zeit genutzt und bin zum „Sanctuario de la Peregrina“ gegangen. Sahagún war der Ort auf dem Jakobsweg, wo die Pilger, die zu krank und schwach waren, um Santiago de Compostela zu erreichen, ihre Pilgerurkunde bekommen konnten. Die „kleine“ Compostela sozusagen. Ich habe mir noch das Pilgerzentrum angeschaut.


Es heißt ja, dass früher oder später der Weg einen hat. Zwei solche Momente hatte ich heute. Von zwei lieben Mitpilgerinnen musste ich Abschied nehmen.
Zuerst traf ich vor meinem Hostel Michelle aus Florida. Mit ihr war ich seit Roncesvalles immer wieder gemeinsam unterwegs und in den Herbergen. Wir haben uns viel unterhalten und hatten unseren „running gag“ wegen einem Taxi. Mit einer großen Umarmung haben wir uns verabschiedet.
Dann kam noch Gerlinde, die Hopfenbäuerin aus Bayern in die Stadt. Sie war zwar später gestartet. Wir trafen uns auch immer wieder und unterhielten uns über sehr verschiedene Ding.
Beide gehen weiter und machen größere Etappen als ich. Ich werde sie wohl nicht wieder sehen.
So ist der Weg. Finden und verlieren. Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen „Buen camino“ und eine gute Zeit.
Und so sitze jetzt allein in meinem Zimmer und es dürfen ein paar Tränen kullern.
